Interkulturelle Offenheit

Interkulturelle Offenheit gegenüber Menschen aus der Ukraine in einem Team kann trainiert werden. Dabei kann es schon helfen, eigene Stereotype und Vorurteile zu reflektieren und zu hinterfragen. In diesem Abschnitt erfahren Sie:

Inhaltsverzeichnis

Was ist interkulturelle Offenheit?

Interkulturelle Offenheit und interkulturelle Öffnung bilden unterschiedliche Aspekte im Bereich der Interkulturalität in Organisationen ab. Bei der interkulturellen Öffnung können Organisation Maßnahmen ergreifen, um Hindernisse für Personen aus der Ukraine abzubauen.

Interkulturelle Offenheit bezeichnen wir als die Kompetenz von Mitarbeiter:innen, sich anderen Kulturen neugierig und unvoreingenommen zu nähern. Außerdem zeigen diese Mitarbeiter:innen ehrliches Interesse und Wertschätzung gegenüber Mitarbeiter:innen und Kund:innen aus anderen Kulturen. Dabei ist es hilfreich, wenn die interkulturelle Offenheit nicht einfach zu einem gewissen Grad bei den Mitarbeiter:innen vorhanden ist. Interkulturelle Offenheit kann trainiert werden und so den Mitarbeiter:innen bewusst werden.

Beispiel:

Breit aufgestellt in Sachen interkultureller Offenheit ist die Möbelhauskette Ikea Deutschland GmbH & Co. KG. Durch Diversity-Gruppen der Einrichtungshäuser konnten innerhalb regelmäßiger nationaler Treffen eine Tauschbörse für Projekte und Lösung für interkulturelle Offenheit und Ziele entstehen. Während Ramadan werden die Mahlzeiten in den Kantinen auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten ausgegeben. Des Weiteren sind die Gerichte entsprechen der verschiedenen Essgewohnheiten gekennzeichnet (z.B. vegetarisch, ohne Schweinefleisch). Hier wird besonders darauf Acht gegeben, den Mitarbeiter:innen zuzuhören und interaktiv Lösungen für bestehende Konflikte zu finden.

Warum ist interkulturelle Offenheit für eine Organisation wichtig?

37 Prozent der Befragten einer Studie von glassdoor berichteten, dass sie Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt haben. Am häufigsten wurden Personen aufgrund des Geschlechts (24 %), aufgrund des Alters (22 %), aufgrund von Rassismus (21 %) und wegen der sexuellen Orientierung (15 %) diskriminiert. Damit stehen viele Organisationen leider noch vor großen Herausforderungen, bevor von einer gewissen interkulturellen Offenheit in Unternehmen ausgegangen werden kann.

Auch in den sozialen Medien häuften sich im Rahmen der Aktion „#SchauHin“ Beschreibungen von erlebter Diskriminierung in der deutschen Gesellschaft.

Beispiel für Diskriminierung am Arbeitsplatz
Ein Twitter-Beispiel einer erlebten Diskriminierung
Notwendigkeit von interkultureller Offenheit
Ein weiteres Twitter-Beispiel einer erlebten Diskriminierung

In dem Forschungsprojekt „Hanna und Ismail“ von BR Data und SPIEGEL Online im (2017) konnte eine Diskriminierung aufgrund der Herkunft bei der Wohnungssuche festgestellt werden. Es stellte sich heraus, dass Menschen mit einem arabischen, türkischen, polnischen oder italienischen Hintergrund bei der Wohnungssuche stark benachteiligt werden. Von interkultureller Offenheit im Wohnungsmarkt kann daher nicht allgemein ausgegangen werden. Dies bietet einen Ansatzpunkt für Organisationen, um Mitarbeiterinnen zu unterstützen.

Diskriminierung bei Bewerbungen. Interkulturelle Offenheit fehlt
Wenn eine Bewerberin auf ihrem Foto ein Kopftuch trägt, erhält sie seltener eine Rückmeldung. Ein ausländisch klingender Nachname hat ähnliche Effekte

Wenn eine Bewerberin auf ihrem Foto ein Kopftuch trägt, erhält sie seltener eine Rückmeldung. Ein ausländisch klingender Nachname hat ähnliche Effekte.

In einem anderen Forschungsprojekt ging es in ähnlicher Weise um die Bewerbung in Unternehmen. Frauen mit einem Kopftuch oder einem türkisch klingenden Namen wurden hier systematisch diskriminiert. Hier kann das fehlen von interkultureller Offenheit leider sehr eingängig betrachtet werden. 

Gleichzeitig kommen im Rahmen des Ukrainekriegs verstärkt Berichte auf, dass Menschen mit russischen Wurzeln diskriminiert werden. Hier sollte von Unternehmen darauf geachtet werden, Menschen als Individuen zu sehen und gleich zu behandeln. Viele der Menschen, die aktuell von Ausgrenzung aufgrund ihrer russischen Wurzeln diskriminiert werden, sind ebenfalls schockiert von den Kriegshandlungen und stehen an der Seite der Ukraine. Es ist daher wichtig, eigene Vorurteile ständig zu reflektieren und zu hinterfragen und nicht einfach Vorurteile in das eigene Handeln zu übernehmen.

Wie kann ich Interkulturelle Offenheit trainieren?

Interkulturelle Offenheit darf sich nicht nur auf Geflüchtete aus der Ukraine beziehen, sondern muss im gesamten Team trainiert werden. Nur so kann interkulturelle Offenheit einen positive Effekte auf ein Team haben. Es kann dazu kommen, dass mehr Verständnis und Wertschätzung gegenüber individuellen Unterschieden im Team entsteht. Ein solches Teamklima fördert ein Team und kann dann zu mehr Innovation und Kreativität, einer steigenden Arbeitsleistung, weniger Konflikten und einer steigenden Zufriedenheit im Team führen. Interkulturelle Offenheit zu trainieren lohnt sich daher für eine Organisation, auch wenn sie nur wenige Mitarbeiter:innen aus der Ukraine beschäftigen. Gleichzeitig kann in diesem Training – sehr sensibel und vorsichtig – gezeigt werden, dass die Mitarbeiter:innen gemeinsam die Ukraine unterstützen und dadurch ein gemeinsamer Gruppengedanke vorherrscht. Achten Sie aber darauf, dass dieser Gruppengedanke tatsächlich besteht und Sie mit dieser Diskussion nicht neue Konflikte eröffnen. Diese Gespräche sollten Sie am besten mit Expert:innen gemeinsam führen, damit die Vorteile aus den Gesprächen entstehen können und nicht die Nachteile dominieren.

Sie müssen allerdings zudem berücksichtigen, dass alle Mitarbeiter:innen unterschiedlich sind und daher auch individuelle Unterschiede in Bezug auf die interkulturelle Offenheit und die Ansichten zum Ukrainekrieg zeigen werden. Es kann daher immer vorkommen, dass Vorurteile und Stereotype gegenüber der Ukraine oder zu Russland zu einem gewissen Teil bestehen bleibt. Zudem müssen Sie auch damit rechnen, dass einzelne politische Parteiangehörige den Ukrainekrieg nicht verurteilen, sondern Partei für Russland ergreifen. Hier kann es zu starken Konflikten in der Belegschaft kommen, welchen mittels einer professionellen Mediation besprochen werden können.

Zusammenfassung

Interkulturelle Offenheit ist wesentlich für eine funktionierende Zusammenarbeit in einem interkulturellen Team. Fehlt die Offenheit gegenüber anderen Personen, können Konflikte entstehen und die Vorteile von kultureller Diversität bleiben ungenutzt. Verhindern Sie dies, indem Sie die Aspekte dieses Beitrages berücksichtigen:

  1. Machen Sie sich selbst und Ihren Mitarbeiter:innen bewusst, dass Diskriminierung kein Thema der Vergangenheit ist, sondern auch aktuell viele Menschen diskriminiert werden. Positionieren Sie sich klar gegen Diskriminierung und leben Sie interkulturelle Offenheit vor.
  2. Nehmen Sie selbst oder lassen Sie einzelnen Mitarbeiter:innen an Seminaren zur interkulturellen Offenheit teilnehmen. Diese Personen können als Botschafter:innen für interkulturelle Offenheit in Ihrer Organisation agieren.
  3. Achten Sie darauf, dass es nicht zu Konflikten unterschiedlicher „Lager“ kommt, wenn unterschiedliche Einstellungen gegenüber der Ukraine oder Russland vorliegen. Besonders durch die Brisanz der Thematik und der Emotionalität durch die Kriegshandlungen Russlands kann es schnell zu Konflikten kommen. Diese Konflikte sollten schnellstmöglich durch Expert:innen beigelegt werden.

Noch Fragen? BeKuDi hilft:

BeKuDi kann als landesgefördertes Forschungsprojekt bei der Stärkung der interkulturellen Offenheit helfen. Wir bieten vertiefende Fachvorträge zur Sensibilisierung Ihrer Mitarbeiter:innen an und können mit Umfragen die Werte-Wahrnehmung von Mitarbeiter:innen in Ihrer Organisation messen oder durch gezielte Workshops bei der Sensibilisierung helfen. Kontaktieren Sie uns ganz einfach mit Hilfe des folgenden Kontaktformulars.

Kontaktformular

Bitte geben Sie den Namen Ihrer Organisation an
=
SPAM-Schutz